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Jussupow Palais und das Rätsel um Rasputins Ende

Verantwortlicher Autor: Ekkehard Boldt Sankt Petersburg Russland, 17.03.2018, 15:15 Uhr
Presse-Ressort von: medien-Boldt Bericht 6374x gelesen
Arbeitszimmer des Fürsten Jussupow
Arbeitszimmer des Fürsten Jussupow   Bild: Ekkehard Boldt

Sankt Petersburg Russland [ENA] Der Jussupow-Palast an der Moika in St. Petersburg ist ein Denkmal russischer Geschichte und Kultur. An dem Bau des Gebäude-Ensembles des Jussupow-Palast an der Moika arbeiteten die bekannten russischen und ausländischen Architekten J.-B. Vallin de la Mothe und A. M. Mikhailov, B. Simon und weitere.

Von 1830 bis 1917 waren die Jussupows die Besitzer des Anwesens. Die geheimnisvolle Jussupow Stadtvilla mit seiner phantastischen Innenausstattung gehört zu den sehenswertesten Gebäuden der Stadt. Die Jussupows zählten zu den fünf reichsten und mächtigsten Familien in Russland. Bis zu 20.000 Leibeigene schufteten in Ländereien und Industriebetrieben für das stetig wachsende Vermögen der Jussupows. Seit Jahrhunderten standen sie unter dem Schutz der Zaren, die ihnen Landbesitz, Fabriken und Ölfelder vermachten.

1830 kaufte Prinz Nikolai Jussupow das Palais an der Moika von der Schuwalow Familie, verstarb aber ein Jahr später. Die Jussupows konnten bis zur Revolution ihren unermesslichen Reichtum offen zur Schau stellen, so standen bei Empfängen in allen Salons prallgefüllte Kristallschalen mit ungeschliffenen Opalen, Saphiren und Smaragden, nur für reine Dekorationszwecke. Der letzte Besitzer des Palastes in der Zarenzeit war Fürst Felix Jussupow, der durch die Ermordung von Rasputin berühmt geworden ist. Er wurde 1887 als zweiter Sohn des Grafen Felix Sumarokow-Elston (1856–1928), seit 1891 Fürst Jussupow und dessen Gemahlin, der Tataren-Prinzessin Sinaida Nikolajewna Jussupowa (1861–1939) geboren.

Trotz seiner homosexuellen Neigungen, heiratete Felix Jussupow am 22. Februar 1914 Irina Alexandrowna Romanowa im Sankt Petersburger Anitschkow-Palais. Irina war die Tochter des Großfürsten Alexander Michailowitsch Romanow und dessen Gemahlin Xenija Alexandrowna Romanowa, einer jüngeren Schwester des russischen Zaren Nikolaus II. Dennoch durften sich die Jussupows nicht in Sicherheit gefühlt haben, im Palais gab es ein Labyrinth von Geheimkammern und getarnten Tresoren, deren Enttarnung Lenins Kommissaren vorbehalten war.

Zimmer und Gemächer im Jussupow Palais 1 Quelle: Ekkehard Boldt
Zimmer und Gemächer im Jussupow Palais 2 Quelle: Ekkehard Boldt
Zimmer und Gemächer im Jussupow Palais 3 Quelle: Ekkehard Boldt

Rätsel-Theorien um Rasputins Ende In der Nacht vom 17. Dezember 1916 töteten Felix Jussupow und eine Gruppe von Verschwörern in diesem Palast Grigori Rasputin, einen ehemaligen sibirischen Bauern, der ein spiritueller Mentor und Freund der Familie des Zaren Nikolaus II geworden war und großen Einfluss auf diesen ausübte. Nach der Darstellung Jussupows wurden ihm vergifteter Kuchen und vergifteter Wein gereicht, doch Rasputin starb nicht, sondern begann zu singen. Jussupow schoss ihm daraufhin in den Rücken, doch Rasputin wankte in den Hof, während Jussupow, nun in Panik, seine Mitverschwörer rief. Der Duma-Abgeordnete Wladimir Purischkewitsch folgte Rasputin und schoss ihm weitere vier Mal in den Rücken, ...

...wobei mindestens zwei Schüsse trafen. Rasputin, der immer noch lebte, wurde gefesselt und von einer Brücke in ein Eisloch der Newa geworfen, wo er ertrank. Diese Darstellung ist aber nicht unumstritten, darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Rasputin vor seiner Ermordung gefoltert wurde. Die weiteren Täter wie der „Lieblingsneffe“ der Zarenfamilie, Großfürst Dimitri Pawlowitsch, der mit Felix Jussupow ein Verhältnis hatte ist bekannt, daneben gibt es aber weitere Theorien und Vermutungen, die nur von den Beteiligten aufgeklärt werden hätten können.

gestellte Szenen am Tag der Ermordung von Rasputin Quelle: Ekkehard Boldt
gestellte Szenen am Tag der Ermordung von Rasputin Quelle: Ekkehard Boldt
gestellte Szenen am Tag der Ermordung von Rasputin Quelle: Ekkehard Boldt

Felix Felixowitsch Jussupow studierte zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Oriel College der Oxford Universität und lernte dort Oswald Rayner kennen, mit dem er lebenslang verbunden blieb. Oswald Rayner wurde während des ersten Weltkriegs ein Agent des britischen MI6. Der MI6 war höchstwahrscheinlich in das Attentat involviert. Zur Zeit des Attentats befanden sich zwei Agenten des MI6 in Sankt Petersburg. Neben Oswald Reyner war auch der 1876 im Jussupow Palast geborene Captain Stephen Alley vor Ort. Untersuchungen ergaben, dass der dritte von vier Schüssen auf Rasputin im Kaliber unterschiedlich war.

Diese Art von Munition wurde in der damaligen Zeit nur von Britischen Behörden verwendet, auch Oswald Rayner war im Besitz einer dieser 455-Webley-Pistolen. Ein Motiv wäre jedenfalls vorhanden gewesen. Rasputin setzte sich bei der Zarin für die Auswechslung Britisch-Freundlicher Minister ein und versuchte auch auf einen Frieden mit Deutschland hinzuwirken. Ein Ende der deutschen Ostfront hätte für England fatale Folgen gehabt, 350000 deutsche Soldaten wären zusätzlich für die Westfront bereitgestanden. Ob der Mord je gänzlich aufgeklärt werden kann wird vielleicht die Zukunft zeigen, die Beteiligten widersprachen sich oft, auch Felix Jussupow, der in Paris seine Erinnerungen an Rasputins Ende niederschrieb, lieferte eine Version,...

Rasputin Foto und Briefe an die Zarin Quelle: Ekkehard Boldt
Plattenspielerbenutzung bei den Todesschüssen Quelle: Ekkehard Boldt
Rasputins Leichnam und Einäscherungsauftrag Quelle: Ekkehard Boldt

...die mit den Obduktionsergebnissen nicht übereinstimmte. Felix Jussupow sollte auf Verlangen der Zarin Alexandra Fjodorowna hingerichtet werden. Die meisten Mitglieder der Romanow Familie waren jedoch mit dem Mord an Rasputin einverstanden und richteten einen Bittbrief an den Zaren, um den Mord als patriotische Tat zu würdigen. Der von Großfürst Alexander Michailowitsch unter Druck gesetzte Zar lehnte ab, ließ Jussupow aber ungeschoren davonkommen und verbannte ihn lediglich auf sein Landgut. Rasputin wurde in einer Kapelle des Sommerpalasts von Nikolai II. zusammen mit einem Heiligenbild, auf dem die ganze Zarenfamilie unterschrieben hatte, begraben.

Der Fürst kam jedoch noch einmal nach Petersburg zurück, um seinen Bediensteten den Befehl zu geben, die kostbaren Schätze im Haus zu verstecken. Er selbst nahm sich einige Gemälde, darunter zwei von Rembrandt und wertvolle Diamanten für die bevorstehende Flucht mit. Während der Revolution flüchteten die Jussupows mit Mitgliedern der Zarenfamilie auf die Krim Halbinsel und emigrierten über England nach Frankreich. Felix Jussupow lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1967 in Paris. ( Weitere Fotoaufnahmen des Jussupow Palais in der Galerie. )

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